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Planung: Wird Lainz ein zweites Steinhof?

Seit Monaten sorgen Umwidmungspläne auf dem Areal des Otto-Wagner-Spitals (Steinhof) im 14. Bezirk für Aufregung und Proteste. Die Verbauung der angrenzenden Steinhofgründe wurde bei einer wienweiten Volksbefragung im Dezember 1981, also vor 25 Jahren, abgelehnt. Für Viele sind die derzeitigen Diskussionen also eine Art "déja-vu".

Worum geht es? Der Krankenanstaltenverbund (KAV) möchte sich durch die Verwertung großer Spitalsareale finanziell sanieren. Was dabei auf der Strecke bleiben könnte, ist der kommunale Sozialgedanke, der vor rund 100 Jahren zur Schaffung von Einrichtungen z.B. auf der Baumgartner Höhe und in Lainz führte.

Dem Geriatriezentrum am Wienerwald (GZW), ehemals Pflegeheim Lainz, und seiner unmittelbaren Umgebung könnten schon bald ähnliche Veränderungen ins Haus stehen wie dem Steinhof. Wobei eine Reduktion des Belags des Pflegeheims zugunsten von kleineren, dezentralen Geriatriezentren mit modernstem Standard durchaus Sinn macht. Allerdings stellt sich die Frage, was mit den frei werdenden Pavillons dann passiert.

Sabine Gretner, grüne Gemeinderätin aus Hietzing und Planungsexpertin, schlägt vor, ab sofort eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe einzusetzen, die mindestens aus VertreterInnen des KAV, der Geschäftsgruppen Stadtentwicklung und Verkehr, Umwelt, Gesundheit und Soziales und dem Denkmalamt zusammengesetzt ist. Sie soll feststellen, welche Einrichtungen unbedingt notwendig und vertretbar sind, wobei Umbauten im Bestand des Spitalsensembles nur in enger Kooperation mit dieser Arbeitsgruppe zu erfolgen hätten und höchsten Ansprüchen auf Architektur- und Bauqualität gerecht werden sollen.

Gretner kritisiert das fehlende Planungsmanagement: Die Verantwortung, den Grundbesitz der Stadt Wien zu entwickeln, wird an Private abgegeben und niemand ist für die Gesamtentwicklung dieses wertvollen Stadtgebietes und die Sicherstellung des öffentlichen Interesses zuständig. Die Möglichkeit, gemeinsam lebendige Stadtteile statt der Monostrukturen des Gesundheitsbereichs zu entwickeln, wird so von Anfang an bewusst verhindert. Öffentliche Diskussion findet nicht statt. Ein Rückschritt in die planungspolitische Steinzeit.

 



Für das GZW stellen sich aus grüner Sicht folgende Fragen:
- Welche Wohnformen sind geplant?
- Welche sozialen Einrichtungen werden hier gebraucht?
- Welche Nutzungen sind im Erdgeschoss vorgesehen?
- Wie laufen die Vergabeverfahren ab, wird es Bauträgerwettbewerbe geben?

Der Vorentwurf ("Gründruck") des Plandokuments Nr. 7740 lässt befürchten, dass, ähnlich wie in Steinhof, zusätzliche Verbauungen zwischen oder neben bestehenden Pavillons (siehe Foto rechts) ermöglicht werden sollen, die keinerlei sozialer Nutzung mehr dienen. Auch derzeit grüne Bereiche östlich und westlich des Personalwohnheims in der Joseph-Lister-Gasse (siehe Foto oben), teilweise bereits im Nahebereich des Hörndlwalds, könnten nach einer Umwidmung Luxusvillen oder teuren Reihenhäusern Platz machen. Die Zusatzwidmung "ÖZ" ("Öffentliche Zwecke") wird nämlich, da zeitlich begrenzt, leider für das ganze Areal wegfallen.

Wir fordern:
- BürgerInnenversammlung und Information vor der öffentlichen Auflage der Flächenwidmungspläne, die das GZW, das Krankenhaus Hietzing und seine Umgebung betreffen!
- Nachhaltige Strukturmaßnahmen statt panikartiger Verkauf des "Familiensilbers", Erhaltung der Anlagen für die kommunale Nutzung .
- Keine privaten Luxusquartiere auf dem Areal, sondern Entwicklung unterschiedlicher, erschwinglicher Wohnformen (Betreutes Wohnen, StudentInnenwohnen,...), von funktionierenden Nahversorgungsstrukturen, einem kulturellen Angebot, Freiflächen für Kinder und Jugendliche etc. als Aufwertung auch für die umliegenden Bezirksteile.
- Kein Antasten des Erholungsgebiets Hörndlwald und seiner unmittelbaren Umgebung, weitgehende Beschränkung auf die bestehende Bausubstanz, Neubauten nur sofern sie eindeutig einem sozialen Zweck (z.B. Krankenhausbetrieb, geriatrische Einrichtung) dienen!

Gerhard Jordan

Seite geändert am 28 Januar, 2007 / Home / Kontakt: hietzing@gruene.at, Tel. 4000 / 81 832